Wenn von Sporen und Graswurzeln die Rede ist, befindet man sich normalerweise im Reich der Biologie oder der Gärtnerei und nicht im Online-Marketing. In einem aktuellen Fall jedoch ergeben die beiden Begriffe in Kombination ein faszinierendes Beispiel für die Macht des Konsumenten und die zahlreichen Möglichkeiten, mit User Generated Content im Netz ein Statement zu setzen.
Worum geht es? Um Spore, das neue, langersehnte und mit viel Vorschuss-Lorbeeren versehene Computerspiel von Will Wright, dem Schöpfer solcher Klassiker wie Sim City oder The Sims, eine Lebenssimulation, die die Spieler in die Lage versetzt, eine Lebensform auf ihrem Weg von der Ursuppe über die Anfänge der Zivilisation bis zur Besiedlung des Weltraums zu begleiten.
Während das Spiel in der Fachpresse fast überwiegend gute Wertungen bekommt – Gamerankings weist einen Durchschnitts-Wert von über 86% aus – dürfte Publisher Electronic Arts über die User-Wertungen auf Amazon alles andere als glücklich sein. Bei ca. 2000 Bewertungen auf Amazon.com finden sich ungefähr 1800, die dem Spiel nur einen Stern zugestanden – Tendenz steigend. Bei Amazon.de zeigt sich ein ähnliches Bild: 180 1-Stern-Bewertungen von insgesamt ca. 250. Wie kommt es zu dieser Diskrepanz zwischen „Experten-Meinung“ und User-Feedback? Sieht man sich die negativen Rezensionen an, so stellt man schnell fest, dass es bei der Kritik praktisch nie um das Spiel selbst geht. Hier wird nicht die Grafik oder das Spielerlebnis bemängelt, hier geht es um die lautstarke Kritik am DRM-Systems des Spiels und der Entscheidung des Publishers, das Spiel mit einer Form des Kopierschutzes auszuliefern, die die Anzahl der möglichen Aktivierungen des Spiels auf drei beschränkt. Spieler kritisieren, dass dies eher einem Mieten als einem Kauf gleich kommt – dies aber zu einem handelsüblichen Kauf-Preis.
Und damit kommen wir zu unserem kleinen botanischen Exkurs zurück. Graswurzelbewegung , so nennt man eine spontan aus der Gesellschaft heraus entstehende politische oder wirtschaftliche Initiative, die Menschen mit einem gemeinsamen Anliegen zusammen kommen lässt. Das Amazon-Rating-System wird quasi zweckentfremdet, um eine Meinung zu verbreiten – geht es hier doch gar nicht um die Qualität des Produktes an sich, sondern um Kritik an einer wirtschaftlichen Entscheidung. Die Verkaufscharts der nächsten Wochen werden zeigen, welchen Einfluss diese Bewegung hat, abgesehen davon ist es sicher, dass das Image des Publishers nachhaltig beeinträchtigt sein wird.