Willkommen im Superwahljahr 2009. Schon neigt sich der erste Wahlkampf dieses langen Jahres dem Ende zu. Als SPD-Kandidat in Hessen bekommt Thorsten Schäfer-Gümbel in dieser Woche nochmals viel Aufmerksamkeit. Aber dies nicht nur wegen seiner Herausforderer-Rolle, sondern für seinen offensiven Umgang mit dem Internet. Sein innovatives Vorgehen gibt den Anlass, die Internet-Aktivitäten der Parteien auf Bundesebene zu beleuchten. Interessant wird es vor allem, zu beobachten, was die Parteien im Laufe des Jahres dazu lernen und umsetzen werden.Barack Obama hat im vergangenen Jahr bewiesen, wie viele Anhänger sich über das Web 2.0 gewinnen und mobilisieren lassen. Auf Facebook hat es die “1.000.000 Strong for Obama” Gruppe auf 944.836 Mitglieder geschafft. In Deutschland zählt die StudiVZ-Gruppe “Ich mag Angela Merkel” bisher jedoch nur magere 403 Mitglieder. Nun schauen die Medien in Deutschland gespannt nach Hessen. Thorsten Schäfer-Gümbel, oder TSG, wie er sich teilweise im Netz abkürzt, erzeugt eine neue Verbindung zu potenziellen Wählern, die es in Deutschland bisher, noch nicht gegeben hat. Einen Politiker über StudiVZ, Facebook und MySpace kennen zu lernen, sich gar als Freund oder Fan hinzuzufügen, diese Offenheit zu erleben, erzeugt Vertrauen. Zunächst in die Person, aber auch in die Institution, die von ihr vertreten wird. Also genau das, warum Wahlkämpfe geführt werden. TSG kommt den Bürgern auf digitalem Wege entgegen und eröffnet Gespräche. Auf Bürgerfragen antwortet er mit Videonachrichten, die wie seine Unterhaltungen per Twitter für jeden öffentlich zugänglich sind. Ein Politiker kann nicht mit allen Wählern auf der Straße ein Gespräch anfangen, um Bürgernähe zu erzeugen. Im Netz ergeben sich jedoch Möglichkeiten, um die Reichweite für persönlichen Kontakt stark zu erhöhen.Wie gehen die großen Parteien, insbesondere vor den kommenden Bundestagswahlen, mit diesen Chancen um? Im Vergleich zu Amerika, wo ein zukünftiger Wahlkampf ohne Internet nicht mehr möglich scheint, sieht Deutschland noch recht experimentell aus. Immerhin haben jüngere Mitglieder von CDU, CSU, SPD, FDP, Grüne und der Linken Gruppen, in Facebook und StudiVZ eingerichtet. Es gibt teilweise mehrere Tausend Mitglieder, aber ein reger Austausch in Diskussionen ist selten anzutreffen. Vom Aussehen erscheinen die Gruppen nicht als offen, sondern klar für Partei-Mitglieder gemeint. Auch eigene soziale Netzwerke, etwa für Mitglieder der SPD und FDP sind eingerichtet worden. Die Partei-Mitglieder nutzen das Internet also zur Vernetzung untereinander.Der große Vorteil, der einfache Austausch mit den Bürgern, etwa über Diskussionsforen findet aber bisher wenig statt. Es wird immer noch auf einseitige Kommunikation und das Internet als Sprachrohr gesetzt. Auf Youtube haben die Parteien eigene Kanäle eingerichtet, wo wichtige Reden anzusehen sind. Eine wirkliche Interaktion findet aber nicht statt. Dabei könnte gerade mit dem Web 2.0 die Politikverdrossenheit aufgebrochen werden.
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Ein Kommentar
TSG ist nicht als eine weiter digital völlig hilflose Gestalt, die das Netz lediglich als erweiterte Werbefläche nutzt. Meine zum Teil kritischen Nachfragen über Facebook und youtube genau zu dem Thema Webwahlkampf und vor allem dazu, wie es denn nach dem Wahlkampf mit dem Internet-Engagment aussieht, wurden schlicht und einfach gnadenlos gelöscht, trotz zum Teil penetrant-mehrfachen Einsendens nach der Löschung
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Eben deswegen, weil es nach dem Wahlkampf kein Netz-Engagement mehr geben wird, das Medium wird nur als “Wahlvieh-Maschine” wahrgenommen, nicht aber ernsthaftes Kommunikationsmedium in irgendeiner Form.
Oder anders ausgedrückt: Politiker gehen ins Netz, denken, das wär sowas wie eine Kombination aus einer Zeitschrift und Fernsehen und bleiben bei ihrer One-to-many-Kommunikation. Um die Ilusion “Dialog” aufrechtzuerhalten werden dann von den zugehörigen Wahlkampfstrategen ein paar Alibi-Fragen beantwortet, wenn überhaupt. Aber: Das wird schon. In ferner, ferner Zukunft.