Facebook Places – ein erstes Zwischenzeugnis

Seit knapp zwei Wochen erfahren meine Freunde (fast) jeden Schritt von mir – ob sie wollen oder nicht. Mit Facebook hat nun auch einer der großen Player im Netz einen Ortungsdienst integriert. Macht auf den ersten Blick auch Sinn – schließlich verwenden von den 500 Millionen Facebook-Nutzern schon knapp 150 Millionen unterwegs das Social Network, um ihre Freunde mit Neuigkeiten zu erfreuen.

facebook-places-logoWie Places funktioniert ist schnell erklärt: Man checkt unterwegs auf seinem Smartphone entweder über die offizielle iPhone-App oder die mobile Seite http://touch.facebook.com ein und zeigt damit seinen Freunden, an welchem Ort man sich befindet – wahlweise kann auch eine Nachricht oder Empfehlung für die Freunde hinzugefügt werden. Außerdem zeigt Facebook an, wer sich noch an diesem „Place“ eingecheckt hat und wo sich Freunde befinden. Ist man mit mehreren Leuten unterwegs und haben diese keine Möglichkeit sich einzuchecken, besteht sogar die Möglichkeit, seine Facebook-Freunde an dem Ort zu markieren.
Klingt einfach – ist auch so. Aber das war es im Grunde auch schon.
Insbesondere geübte Geolocation-User, die schon seit längerer Zeit beispielsweise über Foursquare oder Gowalla ihren Standort preisgeben, vermissen hier den spielerischen Ansatz: Wo sind die Abzeichen für bestimmte Aktionen – bei Foursquare Badges genannt – wo die Auszeichnung für Dauergäste – sogenannte Mayortitel bei Foursquare? Positiv ausgedrückt ist Facebook Places ziemlich einfach gehalten, man könnte es aber auch blass nennen – zumindest im Vergleich zu oben genannten, ähnlichen Diensten.

Das Potenzial allerdings ist enorm, besonders aus Unternehmenssicht. Geschäfte könnten zum Beispiel ihre Places-Fans mit Rabatten oder sonstigen Aktionen belohnen – ähnlich wie es Vapiano bereits bei Foursquare macht (wir haben berichtet). Von ersten erfolgreichen Aktionen berichtet facebookbiz.com: So spendierte James Blunt jedem seiner bei Places eingecheckten Konzertbesucher einen Gratis-Download seines neuen Albums, welches erst 2011 erscheint – ein echter Mehrwert für seine Fans also (auch wenn man sich darüber streiten kann, ob James Blunt-Songs generell einen Mehrwert darstellen… ;-) ). Weitere interessante Beispiele für Places-Anwendungen beschreibt Thomas Hutter in seinem Blog.

Quelle: insidefacebook.com

Quelle: insidefacebook.com

In Deutschland steckt Places noch in den Kinderschuhen und Facebook muss nachlegen um seine Nutzer nachhaltig an den Dienst zu „binden“ – aber das Potenzial ist da! Unternehmen sollten zunächst ihren „Place“ anlegen – dann besteht die Möglichkeit, die Seite über facebook.com offiziell verifizieren zu lassen (unten auf „Ist das Ihr Unternehmen?“). Die Seite soll dann eine eigene Pinnwand erhalten, über die der offizielle Administrator Updates an die Fans schicken kann (siehe Whitepaper zu Facebook Places) – inwiefern die Verifizierung in Deutschland aber schon funktioniert, ist noch unklar, da viele Unternehmen auf ihre Freischaltung warten.

facebook-logoStrich drunter: Das Thema „Places“ ist noch jung, jetzt gilt es die Hausaufgaben zu machen. Unternehmen sollten Orte anlegen und ggfs. Strategien zur Einbindung in ihr Alltagsgeschäft aufbauen – während Facebook selbst seinen Dienst noch weiterentwickeln muss.

Im ersten Zeugnis würde stehen: „Facebook Places war stets bemüht, konnte aber die hohen Erwartungen nicht zur vollen Zufriedenheit erfüllen. Aufgrund der durchaus vorhandenen Möglichkeiten wird eine Versetzung trotzdem empfohlen.“ Nachsitzen ist angesagt! Aber keine Angst, liebes Places: Wir glauben an Dich!

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